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Der historische Kreuzweg von Herschbach

Text und Fotos: Günther Faber

 

Der heutige Kreuzweg und die Laurentiusallee wurden 1886 eingeweiht. Nach mündlicher Überlieferung verlief der ältere, historische Weg zum Friedhof von Herschbach kommend rechtsseitig der Laurentiusallee durch die Talsenke hinauf zum Friedhof und hatte ältere Stationen. Die genaue Wegführung mit den Kreuzwegstationen ist heute nicht mehr bekannt, ebenso ob ein befestigter oder unbefestigter Weg zum Friedhof führte. Die mutmaßliche Wegführung führte entlang des Schimmelsbaches, dessen Verlauf talwärts nach Herschbach im Hintergrund der Baumreihe zu sehen ist.

Links die Friedhofsmauer, Mitte rechts die Talsenke nach Herschbach mit der Baumreihe am Schimmelsbach
Links die Friedhofsmauer, Mitte rechts die Talsenke nach Herschbach mit der Baumreihe am Schimmelsbach

Dafür sprechen einige Gründe: Schon immer waren Wasserläufe Wegmarken, weil man sich an ihnen gut orientieren kann. Bäche und Flüsse haben größtenteils einen moderaten Anstieg und sind deshalb einigermaßen eben zum Gehen. Menschen bevorzugen naturgemäß den kürzesten Weg. Nur der letzte Teil steigt etwas an. An heißen Tagen bot ein Gewässer etwas Abkühlung und Wasser zum Trinken. Topografisch gesehen war der mutmaßliche Weg zum Friedhof kürzer als die heutige Allee. Des Weiteren ist unklar, ob die Kreuzwegstationen im Freien standen oder einen baulichen Schutz hatten.

 

Nur drei Reliefbilder des Kreuzweges, die zweite, vierte und sechste Station, sind erhalten geblieben. Diese sind in der Sakristei unserer Pfarrkirche in Herschbach in einer Wand fest verbaut worden. Es stellt sich die Frage, was mit den anderen Stationen geschehen ist. Man kann es nur vermuten.

Die drei Kreuzwegstationen des historischen Kreuzweges in der Sakristei der Pfarrkirche St. Anna in Herschbach
Die drei Kreuzwegstationen des historischen Kreuzweges in der Sakristei der Pfarrkirche St. Anna in Herschbach

Die Reliefbilder sind in den Wänden fest verbaut und bestechen durch die naturgetreue Darstellung der jeweiligen Szene. Die brillante Farbgestaltung und die Reliefs sind in einem guten Erhaltungszustand.

Zweite Station:

 

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter.

 

Er ist in einem roten Gewand dargestellt. Die Farbe Rot symbolisiert das Leid und zugleich die Würde.

 

Alle Personen sind realistisch dargestellt. Besonders die anatomischen Darstellungen zeugen von einem künstlerischen Niveau.

Vierte Station:

 

Jesus begegnet seiner Mutter

 

Maria ist im Stile der Immaculata (Unbefleckte) dargestellt. Sie trägt unter dem Mantel eine weiße Tunika. Das Weiß steht für Reinheit und Unschuld. Das Blau des Mantels ist dem Himmel und Maria zugeordnet.

Sechste Station:

 

Nach der Legende gehörte die heilige Veronica zu jenen klagenden Frauen, die sich auf dem Kreuzweg Jesu eingefunden hatten. Sie wird als knieende Frau und mit einem gegürtenden Gewand dargestellt. In beiden Händen hält sie das Schweißtuch vor ihrem Körper und reicht es Jesu, um sich Schweiß und Blut von seinem Gesicht damit abzuwischen.