An dieser Stelle präsentieren wir das Archiv des Jahres 2026 mit den Monatsfotos von unserer Startseite.
„Das Brutpaar der Stare brütet in diesem Frühjahr in der gleichen Baumhöhle wie im letzten Jahr.“
Anmerkung der Redaktion:
Wie die Amsel war der Star ursprünglich Waldbewohner. Heute benötigen Stare unterschiedliche Habitate, Baumhöhlen an Waldrändern, in Streuobstwiesen oder an
Gebäuden zur Reproduktion sowie kurzrasige Bodenflächen zur Nahrungssuche.
Als Jahresvogel ist er weit verbreitet. Eine Besonderheit sind die ganzjährig (mit Ausnahme der Brutzeit) genutzten Massenschlafplätze, zu denen sich die Vögel aus
größeren Entfernungen einfinden. Oft werden Schilfgebiete oder Weidengebüsch entlang von Gewässern ausgesucht. Imposant sind die Flugmanöver der Stare beim abendlichen Einflug in die
Schlafplätze. Bei der Auswahl der Nahrung ist der Star nicht wählerisch und ernährt sich sowohl von tierischer als auch pflanzlicher Kost. In den Anbaugebieten von Wein und Obst ist er kein gern
gesehener Nahrungsgast.
In der Roten Liste der Brutvögel von Rheinland-Pfalz wurde der Star nach einem auffälligen Abwärtstrend seiner Population in die Vorwarnliste der gefährdeten
Brotvogelarten aufgenommen.
Foto: © Arno Siry, Mai 2026
„Die Kolkraben haben den Milan über einem frisch bearbeiteten Feld zwischen Hartenfels und Maxsain erfolgreich verjagt.“
Anmerkung der Redaktion:
Luftkämpfe von Vögeln zählen zu den spektakulären Bildern am Himmel. Häufig handelt es sich lediglich um Scheinattacken, wo der einzelne Vogel maximal ein paar Federn lassen muss. Die Gründe für solche Angriffe sind unterschiedlich. Manchmal ist es der bloße Futterneid oder der eine Vogel versucht dem anderen die Beute abzujagen. Nähert sich eine unliebsame Art zu nahe dem Brutrevier, dann verteidigen sogar kleinere Vögel mutig ihren Brutplatz. Der Rotmilan auf dem Foto hat bei dem Angriff der beiden Kolkraben vernünftigerweise den Rückzug angetreten. Kolkraben sind unsere größten Singvögel und besitzen eine Flügelspannweite von 100-150 cm. Sie bestechen durch ihre Intelligenz, wodurch der große Rabenvogel für den Menschen seit jeher unheimlich erscheint. Wie etliche andere Vogelarten wurde der Kolkrabe zu Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland durch menschliche Verfolgung ausgerottet. Bis zur Wiederbesiedlung der ehemaligen Brutgebiete dauerte es einige Jahrzehnte. 1998 gelang der erste Brutnachweis eines Kolkrabenpaares in Rheinland-Pfalz. Heute drängt man insbesondere von Seiten der Landwirtschaft auf eine Bestandsregulierung der Kolkraben, wobei er in Rheinland-Pfalz den Schutzstatus der „besonders geschützten“ Vögeln genießt.
Foto: © Arno Siry, April 2026
„Ostern steht vor der Tür und ich habe mich für eine Nahaufnahme von einem kleinen Lamm entschieden. Die Herden sind ja gerade rund um Herschbach unterwegs. Da gibts solch schöne Momentaufnahmen.“
Anmerkung der Redaktion:
In Deutschland existieren über vierzig verschiedene Schafrassen, die allesamt vom Mufflon abstammen. Rassezüchtungen erfolgen bei Nutztieren insbesondere mit dem Hintergrund einer Leistungssteigerung zur wirtschaftlichen Verwertung.
Aber warum wird das Foto eines Nutztieres als Naturfoto des Monats ausgewählt?
Viele unserer deutschen Kulturlandschaften wurden durch eine jahrhundertlange Beweidung mit Schafen geprägt. Die heute unter Naturschutz gestellten Mager- und Trockenrasen oder Wacholderheiden sind wertvolle Elemente von hoher Biodiversität. Zum Erhalt dieser Biotope werden auch heute noch Schafe als Landschaftspfleger eingesetzt. Als Pflanzenfresser bevorzugen Schafe Gräser und Kräuter der weniger mit Nährstoffen versorgten Standorte. Infolge dieser extensiven Form der Landbewirtschaftung durch permanenten Verbiss auch der holzigen Pflanzen entwickelten sich die sogenannten Heidelandschaften. Beim Blick auf die Flurnamen in unseren Ortschaften fällt immer wieder die Bezeichnung „Heide“ ins Auge. Ein eindrucksvolles Relikt findet sich mit der Wacholderheide bei Westernohe im hohen Westerwald. Viele dieser landwirtschaftlich genutzten „armen“ Flächen wurden spätestens zum Ende des 19. Jahrhunderts im Westerwald in Wald umgewandelt.
Und wie entsteht die Verbindung vom Lamm zum Osterfest?
Die Geburt der Lämmer findet in den Monaten März / April statt und fällt zum Teil in die Zeit des Osterfestes. Mit dem jahreszeitlichen Übergang vom Winter zum Frühjahr erwacht im intensiveren Licht der Sonne und bei steigenden Temperaturen die Natur. Es beginnt die ereignisreichste Jahreszeit im Naturerleben geprägt u.a. durch das Blühen und Wachsen der Pflanzen, den Vogelgesang und die Entwicklung von neuem Leben bei vielen Tierarten.
Foto: © Karin Fild, März 2026
„Kraniche im Überflug in Richtung Sommerquartiere. Wie zu erkennen, werden die Flugrichtung und die Flughöhe noch justiert.“
Anmerkung der Redaktion:
Der Kranich oder genauer Graukranich hat ein Brutgebiet von Mittel- bis Nordeuropa sowie Ostasien. Aufgrund des großräumigen Verbreitungsgebietes nutzen die Vögel unterschiedliche Zugwege. Kraniche aus Mitteleuropa, Skandinavien (teilweise) und dem Baltikum (teilweise) nutzen den Zugweg über Westeuropa zu den Winterquartieren in Frankreich und Spanien. Ihr Weg führt von der Ostsee über Nordwest-Deutschland, das Ruhrgebiet und Rheinland-Pfalz. Kraniche aus dem Osten von Finnland und dem Osten von Estland nutzen den baltisch-ungarischen Zugweg nach Nordafrika, aber auch im Schleifenzug nach Spanien.
Der europäische Brutbestand des Kranichs wird auf über 130.000 Paare geschätzt, der größte Teil (ca. 32.500 Paare) brütet in Schweden, in Deutschland ist der Brutbestand auf ca. 12.500 Brutpaare angewachsen, der Großteil davon ist in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg beheimatet (ca. 8.500 Brutpaare). Seit dem Jahr 2021 brüten Kraniche auch im benachbarten Hessen. Es ist eine Frage der Zeit, wann die ersten Kraniche auch in unserem Bundesland zur Brut schreiten. Das Gros der in Deutschland brütenden Kraniche überwintert neben einzelnen Vögeln aus der mitteleuropäischen, der skandinavischen und der baltischen Population bei uns in Deutschland. Daher können wir mitten im Winter umherstreichende Kraniche beobachten. Bis Mitte des Monats März haben die meisten Kraniche unsere Region in Richtung der Brutgebiete überquert. Immer wieder rasten Kraniche auch bei uns im Westerwald, wobei ungünstige Witterungsbedingungen wie z.B. starker Nebel die Vögel zu einer Zwischenrast zwingen. Oft rasten die Vögel nur über Nacht, um am nächsten Tag bei günstigerer Witterung ihre Reise fortzusetzen. Ungestört verbleiben die Trupps bis um 10-11 Uhr, wenn sie nicht vorher durch sich nähernde Menschen aufgejagt werden.
Kraniche sind als Bodenbrüter extrem gefährdet durch Prädation (Fuchs, Wildschwein) und menschliche Störungen. Sie suchen sich unzugängliche Landschaftsbestandteile auf, Moore und insbesondere Erlenbruchwälder. Die Wiedervernässung beziehungsweise der Hochwasserschutz in unseren Wäldern lassen solche Lebensräume entstehen.
Einen großen Bestandseinbruch hatte der Kranich im Herbst letzten Jahres, verursacht durch das Vogelgrippevirus. Man schätzt die Verluste in einer Größenordnung von 10% der Kraniche der westeuropäischen Population.
Foto: © Arno Siry, 26.02.2026
„Bei einer Wanderung am 29.01.2026 durch die schneebedeckte Winterlandschaft habe ich diese Detailaufnahme angefertigt.“
Anmerkung der Redaktion:
Auf dem Foto sind die etwa 6 bis 8 cm langen sogenannten Kätzchen der „Gemeinen Hasel“ zu sehen. Dabei handelt es sich um die männlichen Blütenstände der gemeinen Hasel, die bereits im Herbst des Vorjahres angelegt werden. Der Haselstrauch trägt die männlichen und weiblichen Blüten an einer Pflanze. Neben den auffälligen Kätzchen der männlichen Haselblüten sind die weiblichen Blüten nur bei genauer Betrachtung der einzelnen Knospen des Strauches zu finden. Sie zeigen sich als nur wenige Millimeter große tiefrote Härchen, die aus der Spitze einer Knospe herausschauen. Im Verlauf des Jahres bildet sich daraus die Haselnuss. Die gemeine Hasel zählt zu den Windbestäubern, die zum Anlocken von „Bestäubern“ keine auffälligen Blüten ausbilden müssen. In einem einzelnen Haselkätzchen befinden sich zur Bestäubung der weiblichen Blüten bis zu zwei Millionen Pollen. Im Bereich der Naturheilkunde finden die männlichen Blütenstände Anwendung in der Zubereitung von Haselkätzchentee, der eine Fülle von Mineralstoffen, Flavonoiden und Proteinen enthält. Die Wirkung des Tees ist vitalisierend, seine Inhaltsstoffe sind entschlackend, schweißtreibend und kreislaufanregend. Wenn zum Frühjahr hin die ersten Insekten fliegen, dann werden die Pollen der Hasel von ihnen als eine wichtige Nahrungsquelle genutzt. Pollen bereiten immer mehr Menschen durch Allergien. Die Haselblüte beginnt, wenn an mehreren Tagen hintereinander die Temperaturen über einem Wert von 5 bis 6 Grad liegen. Bedingt durch die Veränderung unseres Klimas hat sich der Beginn der Blüte in den vergangen siebzig Jahren um über 20 Tage in Richtung Jahresanfang verschoben. Diese Veränderungen in der Natur können wir sehr schön auf der Phänologischen Uhr verfolgen. Die Uhr beschreibt nicht vier, sondern zehn Jahreszeiten. Dabei orientiert sich der Beginn dieser Jahreszeiten an dem Entwicklungsstadium (Blüte, Reife, Blattverfärbung) von sogenannten Zeigerpflanzen. Die Reaktion der natürlichen Elemente auf ihre Umwelt erweisen sich wichtiger Bioindikator für den Klimawandel.
Foto: ©Karin Fild, Januar 2026